… so lautet die Überschrift eines Kapitels im ersten Kinder- und Jugendbericht des Landes Rheinland-Pfalz.

Schulsozialarbeit ist ein professionelles sozialpädagogisches Angebot am Lern- und Lebensort Schule. Grundlage ist eine verbindliche partnerschaftliche Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern öffnet die Schulsozialarbeit Zugänge zum Leistungsangebot der Jugendhilfe und erweitert deren präventive und integrative Handlungsmöglichkeiten.

Quelle:
erster Kinder- und Jugendbericht Rheinland-Pfalz, S. 19
http://www.mbwjk.rlp.de/fileadmin/mbwjk/Jugend/Kinder_Jugendbericht_RLP.pdf

Der Einsatz von Sozialarbeitern und Psychologen an Schulen ist nicht neu, das Bild, das sich von der Arbeit präsentiert jedoch schon. Galt es lange Zeit als Zeichen für ein schwieriges Schulklima, wenn Schulsozialarbeit notwendig wurde, so hat sich das Bild mittlerweile gewendet, hin zu einem Standort-Vorteil für Schulen mit einem gut aufeinander abgestimmten Gesamtkonzept.

Die überwiegende Zahl der Konzepte sieht noch immer ein Eingreifen in Problemsituationen vor, oder leitet Präventionsmaßnahmen ein, wenn eine deutliche Notwendigkeit bereits sichtbar wurde. Schon früh setzte der Landkreis Germersheim auf ein anderes Konzept. Er betrieb die Schulsozialarbeit (wie sie auch vom Land gefördert wird) an den weiterführenden Schulen mit Brennpunkt-Gefahr und tat dies jedoch nicht, ohne auf weitergehende Projekte (zum großen Teil auf eigene Kosten) zu verzichten. So wurden Richtlinien zur Förderung von Schulsozialarbeit an Grundschulen verabschiedet, die es jeder Verbandsgemeinde und kreisangehörigen Stadt eine Stelle so einzurichten, dass diese zwar an einer Schule stationiert ist, wenn möglich jedoch auch nach Bedarf an den anderen Schulen der Gebietskörperschaft aktiv werden kann.

Durch dieses Vorgehen, das für einen verschuldeten Landkreis keineswegs selbstverständlich ist, ergibt sich nun die erfreuliche Situation, dass erste Signale zeigen: die Schulsozialarbeit im frühen Alter fruchtet. Berichte der weiterführenden Schulen, Erfahrungen des Jugendamtes, Rückmeldungen von Lehrerinnen und Lehrern gehen durchweg in die gleiche positive Richtung. Nun bleibt zu hoffen, dass sich das frühe investieren sich in Zukunft auch finanziell im Kreishaushalt bemerkbar macht, wenn Folgekosten, wie sie zum Beispiel bei einer Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen anfallen,  geringer werden. Dann hat sich gezeigt, dass das Germersheimer-Modell funktioniert. So lange jedoch muss der Landkreis die Idee durch Kredite finanzieren, ein gänzlich unerfreulicher Zustand. Abhilfe könnte die Landespolitik schaffen, indem Sie ein geeignetes Zuschusswesen zur Schulsozialarbeit schafft, wie es dieses im weiterführenden, nicht-gymnasialen Bereich bereits gibt.

Unter anderem durch den Einsatz von Martin Brandl und dank der positiven Erfahrungen, die der Landkreis Germersheim mit der flächendeckenden Schulsozialarbeit an Grundschulen gemacht hatte, stellt die CDU auf Landesebene fest, dass der flächendeckende Ansatz des Landkreises Germersheims förderungswürdig ist und fordert die Ausdehnung auf komplett Rheinland-Pfalz. Die CDU-Fraktion im Landtag hat daraufhin seriöse und gegenfinanzierte Vorschläge zur flächendeckenden Förderung an Grundschulen in ihrem Haushalständerungsantrag unterbreitet. Idee war pro Klasse eine Stunde pro Woche aus Landesmitteln zu fördern und den Kreisen und kreisfreien Städten damit die Möglichkeit zu geben, gezielt Stellen zu schaffen. Es ist schade, dass unser Herr Ministerpräsident die Vorschläge der CDU zum Haushaltsentwurf lapidar abtut mit:

Das ist als würden Pferde die Bäume rauf reiten

Quelle:
http://twitter.com/#!/RZ_Brueck/status/15009089545310208

Man könnte doch wenigstens erwarten, dass Vorschläge, die auch in den eigenen Reihen auf Zustimmung stoßen (zumindest hat man im SPD Kreisverband Germersheim noch niemanden gegen die Schulsozialarbeit wettern hören), ernsthaft geprüft und nicht aus taktischen Gründen unter den Teppich gekehrt werden.

Die Junge Union im Kreisverband Germersheim jedenfalls hat in ihrer letzten Kreisvorstandssitzung einstimmig den Beschluss gefasst, die Linie von Dr. Fritz Brechtel (Landrat GER) und Martin Brandl (MdL) in vollem Umfang zu unterstützen, auch wenn dies bedeutet, dass der Landkreis eine freiwillige Leistung aufrecht erhält und damit weiter verantwortungsbewusst Schulden macht.

Ich selbst gehe sogar noch einen Schritt weiter: Ich würde mir von allen Beteiligten wünschen, dass sachlich und fachlich über die Notwendigkeit der Schulsozialarbeit diskutiert wird, dass nicht nur Schwerpunktschulen in den Blick genommen werden, sondern (und vielleicht auch um die fälschliche Stigmatisierung einzelner Schulen mit Schulsozialarbeit zu vermeiden) die Förderung von Schulsozialarbeit auf alle Schulen zu erweitern. Das Bild, dass auf den Gymnasien die Welt noch heil sei und entsprechend keine Sozialarbeiter notwendig sind, ist längst überholt. Vielleicht (und selbst das kann man sicher anzweifeln) sind die Probleme an Gymnasien andere, vielleicht braucht es auch eher Schulpsychologen als Schulsozialarbeiter an den Gymnasien, sicher ist jedoch: Das Gymnasium darf in der Förderung ebenso wenig vernachlässigt werden, wie de Grundschulen.


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