Die Landtagsabgeordnete Barbara Schleicher-Rothmund hatte in einer Pressemeldung zum Rheinpfalz-Artikel „Ehrenrunde ist keine Schande“ vom 02.04.2013 Stellung bezogen. Der Artikel wiederum ging aus einer Pressemeldung des Netzwerkes Bildung der Jungen Union im Kreisverband Germersheim hervor.

Veranlasst durch diese Reaktion verfasste Thorsten Rheude folgenden offenen Brief an Frau Schleicher-Rothmund:

Liebe Barbara Schleicher-Rothmund,

bevor ich mich inhaltlich zum Artikel „Sitzenbleiber gibt’s immer“ vom 6. April äußere, möchte ich einige ganz persönliche Worte loswerden: Ich bin enttäuscht und betroffen von der Art der Stellungnahme, wie sie am Samstag morgen in der Rheinpfalz lesen musste. Auf eine politisch inhaltliche Diskussion war ich gefasst. Mit einer Diskussion, die persönlich beleidigend wird, hatte ich jedoch nicht gerechnet. In den ersten Sätzen des Artikels, die offensichtlich aus einer Stellungnahme zitiert sind, wird in meinen Augen eine Grenze überschritten. Klischees und Vorurteile in Verbindung mit einem einzelnen Namen grenzen an Diffamierung und sind – in meinen Augen – dem Verhalten einer Person des öffentlichen Lebens nicht angemessen. Statt einer Kultur der kritisch-konstruktiven Debatte wird auf diese Weise nur Politikverdrossenheit gefördert. Wie sonst soll das Signal an junge Menschen lauten, das von diesem Artikel ausgeht? Sag deine Meinung und die Landtagsabgeordnete wird dich zurechtweisen und für rückschrittlich und dumm verkaufen. Wer Benjamin Platz kennt, weiß, dass er keinesfalls eine „Mutter am Herd“ sieht, wenn er von Fördermöglichkeiten für Kinder und Jugendliche spricht.

Die SPD-Kreisvorsitzende müsste sich zudem einige Fragen nicht stellen, wenn sie den Artikel auf den sie eindrischt zuvor aufmerksam gelesen hätte. Die Junge Union hat ganz und gar nichts gegen die Entwicklung von Förderkonzepten und auch nichts dagegen die Zahl der Sitzenbleiber zu minimieren. (Zitat aus dem Artikel „Ehrenrunde in der Schule ist keine Schande“ vom 2. April: „Für die Mitglieder des Netzwerks ist es eine Selbstverständlichkeit, dass durch individuelle Förderung versucht werden sollte, die Zahl der Sitzenbleiber möglichst zu reduzieren.“) Im Gegenteil: Wenn dies allein das Ziel der Landesregierung wäre, so wäre dagegen nichts auszusetzen. Es bleibt jedoch fraglich, warum innerhalb eines Modellprojekts das Sitzenbleiben ausgesetzt werden soll, wenn lediglich Fördermöglichkeiten erprobt werden sollen und warum Wolf-Jürgen Karle, Sprecher des Mainzer Bildungsministeriums, gegenüber der Rhein-Zeitung sagt, dass geprüft werden soll, ob das Sitzenbleiben flächendeckend abgeschafft werden kann. Es ist irritierend, dass der Vorsitzende der SPD Germersheim, Daniel Bambauer, in der Diskussion auf der Facebookseite von Thomas Gebhart, MdB, schreibt, dass Sitzenbleiben lediglich Strafen statt Fördern, bzw. das Aussondern des schwächsten Gliedes einer Kette sei. Es ist verwunderlich, dass der Verband Bildung und Erziehung (VBE) den Vorstoß zum Abschaffen des Sitzenbleibens begrüßt, während der Deutsche Philologenverband diesen Vorstoß ablehnt, wenn es einen solchen Vorstoß doch nie gegeben haben soll.  Von einer Phantomdebatte kann also keinesfalls die Rede sein. Die Antwort auf den Artikel unserer Netzwerkgründung scheint mir lediglich der verzweifelte Versuch zu sein, eine Idee zu rechtfertigen, die in aktuellen Umfragen (vgl. Forsa im März 2013) von über 70% der Bürgerinnen und Bürger und sogar von über 85% der Schülerinnen und Schüler als unsinnig abgestempelt wird.

Ich halte es also mit Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes: „Wenn die Bildungspolitik die sowieso schon stark gesunkenen Sitzenbleiberquoten weiter verringern will, dann muss sie in massivem Ausmaß zusätzliche Ressourcen in die Schulen geben, um mehr Förderstunden und Kleingruppenunterricht zu ermöglichen. Das Pferd aber von hinten aufzuzäumen, also erst das Sitzenbleiben abzuschaffen und das dann schon als Erfolg zu feiern, ist in hohem Maße unehrlich und geht letztendlich auf Kosten der Qualität der Leistungsergebnisse.“

 

mit freundlichen Grüßen

Thorsten Rheude


Internet 2.0
Dieser Artikel soll in die Sozialen Netzwerke? Gerne! Allerdings nur unter Beachtung des Mottos "2 Klicks für mehr Datenschutz"