Aktenstapel mit Aktenordnern„Eine gute Unterrichtsversorgung ist nicht nur für Eltern von Schülerinnen und Schülern ein Top-Thema. Auch für die rheinland-pfälzische Landesregierung hat sie eine sehr hohe Priorität. Denn klar ist: Guten Unterricht kann es nur geben, wenn der Unterricht auch stattfindet“, so steht es auf der Internetseite des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur in Rheinland-Pfalz. Schöner hätte man es nicht ausdrücken können. Doch was nützt die schönste Ausdrucksweise, wenn solchen Worten keine Taten folgen? Meistens freut man sich als Schüler, wenn man es geschafft hat, sich morgens in die Schule zu schleppen und beim alltäglichen Blick auf den Vertretungsplan feststellt, dass die eine oder andere Stunde des Tages ausfällt. Auch ich freute mich, als in der letzten Woche vor den Herbstferien mal wieder Sozialkunde ausfiel. Da unser Fachlehrer gesundheitlich schon über Jahre angeschlagen ist, war darüber auch niemand verwundert. Auch nicht, als nach den zwei Wochen Ferien noch immer kein Unterricht stattfand. In der dritten Woche nach den Ferien wurden wir dann langsam unruhig. Das Problem lag darin, dass es sich bei besagtem Sozialkundekurs um einen Leistungskurs handelt in dem wir also eine unserer drei Abiturprüfungen abzulegen haben. Es waren nur noch wenige Wochen bis zu den Weihnachtsferien, nach denen wir bis zur schriftlichen Abiturprüfung im Januar keinen Unterricht mehr haben. Also nur noch ein paar Wochen Zeit, um irgendwie den für das bereits eingereichte Abitur nötigen Stoff durchzuarbeiten und überhaupt mal Noten zu bekommen. Bis dato gab es nämlich weder mündliche Noten, noch irgendetwas Schriftliches geschweige denn eine Kursarbeit, die in der 13ten Klasse 50% der Zeugnisnote ausmacht. Wir hatten effektiv nichts in der Hand, außer ganze sechs Wochen Unterricht im laufenden Schuljahr. Da uns natürlich bis dato auch niemand irgendwie über die Situation informiert hatte, machten sich ein paar von uns auf den Weg zum Lehrerzimmer, in der Hoffnung, endlich einmal über die derzeitige Lage aufgeklärt zu werden. Die für den 12.11. angesetzte Kursarbeit wurde auf unbestimmte Zeit verschoben und es wurde so langsam begonnen, nach einer qualifizierten Vertretung zu suchen, um uns den abiturrelevanten Unterricht zu ermöglichen. 5 Wochen vor den Weihnachtsferien und nach etlichen Belagerungen des Lehrerzimmers war es dann endlich soweit. Die Schule hatte es geschafft, eine geeignete Vertretung zu finden und sogar einen Termin für die Arbeit festzulegen, der sogar noch vor den Ferien lag. Als die Oberstufenleitung sich bei uns in aller Form für die Vorkommnisse und den bedeutenden Unterrichtsausfall entschuldigte, wurde uns eine Bestimmung des Bildungsministeriums als Grund für die langen Verzögerungen genannt. Demnach brauchte man zunächst mehr Geld, um eine nicht voll beschäftigte Kraft dafür zu bezahlen, dass sie ihre Stunden aufstockt um unseren Vertretungslehrer in den Stunden zu ersetzen, die ausfallen mussten, damit er uns unterrichten konnte.

Nina Weber

Nina Weber ist Vorsitzende des JU Stadtverbandes Wörth

Dieses Geld wird jedoch erst zur Verfügung gestellt, wenn eine Lehrkraft von vornerein über längere Zeit krank geschrieben ist oder nach 6 wöchigem Unterrichtsausfall. Nun frage ich mich jedoch, wie es sein  kann, dass dies auch im Falle eines Lehrers geschieht, der über Jahre hinweg immer wieder mit seiner Krankheit zu kämpfen hat und bei dem es fast schon vorhersehbar ist, dass er öfter über längere Zeiträume fehlt? Wie kann man die Schüler eines Leistungskurses, die kurz vor ihrem Abitur stehen dermaßen in der Luft hängen lassen und ihnen den Unterricht vorenthalten, der sich entscheidend auf den Ausgang ihres Abiturs auswirkt? „Auch für die rheinland-pfälzische Landesregierung hat sie [die Unterrichtsvertretung] eine sehr hohe Priorität“. Wenn man schon solch große Worte in den Mund nimmt, dann sollte man ihnen auch die entsprechenden Taten folgen lassen. Andernfalls braucht man sich als Politiker nicht zu wundern, wenn man schon bei jüngeren Generationen mehr und mehr an Glaubwürdigkeit verliert.


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