Seit über 150 Jahren gibt es in Deutschland die Freiwillige Feuerwehr, deren ehrenamtliche Mitglieder sich in ihrer gesamten Freizeit für das Wohl ihrer Mitbürger einsetzten und dafür auch mal einige Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Dieses Prinzip, das allein auf der Bereitschaft der freiwilligen Feuerwehrleute beruht, einen Teil ihrer Freizeit dem Dienst zum Schutz der Allgemeinheit zu widmen, hat sich in all den Jahren immer wieder bewährt. Doch nun steht eine Diskussion zum Thema Arbeitszeit in der Freiwilligen Feuerwehr im Raum, die so eigentlich gar nicht geführt werden müsste. Die EU-Kommission entwickelt derzeit eine europäische Arbeitsrichtlinie, nach der die Arbeit in den Freiwilligen Feuerwehren mit in die normale Wochenarbeitszeit zählen würde. Ehrenamtliche Feuerwehrfrauen und -männer dürften sich nach dieser Richtlinie neben ihrem Vollzeitberuf nur noch acht Stunden pro Woche für die Feuerwehr einsetzen, heißt es. Demnach würde man Menschen, die bereitwillig ihre Freizeit zur Verfügung stellen, in der Freiheit ihrer Freizeitgestaltung deutlich einschränken. Entscheidet man sich einer Hilfsorganisation wie der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten, dann entscheidet man sich auch bewusst dafür, seine Freizeit in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und deutliche Einschränkungen hinzunehmen. Natürlich steigt man nicht immer super gelaunt nachts um drei Uhr aus dem Bett um in aller Eile zum Feuerwehrhaus zu hetzen. Natürlich werden auch sämtliche weitere Familienmitglieder vom Lärm des Funkmeldeempfängers in der Nacht geweckt und es fällt vielleicht auch mal der ein oder andere geplante Kinobesuch ins Wasser. Doch das sind alles Dinge, deren man sich durchaus bewusst sein sollte, wenn man sich für den Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr entscheidet.  Doch wozu sollte es diese Einschränkungen überhaupt geben? Wir leben in einer Zeit, in der leider immer weniger Menschen bereit sind, in ihrer Freizeit ehrenamtliche Tätigkeiten auszuüben, wovon vor allem Hilfsorganisationen wie beispielsweise die Freiwilligen Feuerwehren durchaus betroffen sind. Warum sollte man also diejenigen, die zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit noch bereit sind und dies auch mit Freude tun in ihrer Arbeit einschränken? Die Einsatztätigkeit sowie die Fahrzeug- und Gerätepflege der Feuerwehrleute kann man zwar durchaus als Arbeitszeit werten, aber was ist mit der ganzen anderen Zeit, die im Feuerwehrhaus verbracht wird? Die Freiwillige Feuerwehr ist längst nicht mehr nur zum Schutz der Menschen da, sie sind auch Mittelpunkt des Dorfgeschehens in vielen Gemeinden, auf Festen und in der Arbeit mit Jugendlichen sind sie mittlerweile unverzichtbar geworden. Man trifft sich mittlerweile in der Feuerwehr nicht mehr nur zum Dienst, sondern auch einfach nur zum Zusammensitzen und zum Reden. Es werden gemeinsame Feste gefeiert und nach einer Übung oder einem Einsatz bleibt jeder noch so lange sitzen, bis es ihn nach Hause verschlägt, also kann nicht jeder Aufenthalt in der Feuerwehr einfach so als Arbeitszeit gewertet werden. Und wenn man schon die ehrenamtliche Tätigkeit in der Feuerwehr als Arbeitszeit wertet, müsste man dann nicht auch die freiwillige Tätigkeit in anderen Vereinen, wie zum Beispiel einem Sportverein, als Arbeitszeit werten? Und wieso sollte man jemandem der Fußball spielt vorschreiben, wie lange er auf dem Platz stehen darf, wäre das nicht genauso sinnlos? Solange sich jeder Bürger freiwillig für den Dienst in einer Feuerwehr entscheidet, sollte man ihm nicht vorschreiben wie lange er seine Freizeit dort verbringt und wann er damit aufhören muss. Denn die Freiwillige Feuerwehr ist nach wie vor eine Hilfsorganisation mit vereinsnahen Zügen, der man aus freien Stücken beitritt und dem jeder so viel Freizeit „opfern“ können sollte, wie er möchte. Und was wäre eigentlich mit denjenigen, die schon berufsbedingt die maximal zulässige wöchentliche Arbeitszeit erfüllen, dürften diejenigen dann keine ehrenamtliche Tätigkeit in ihrer Freizeit ausführen?


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