Rettung eines Notfallpatienten durch eine Rettungsmannschaft des Malteser Hilfsdienstes (Die Szene ist gestellt!) - Quelle: Malteser Hilfsdienst e.V. Stuttgart

Rettung eines Notfallpatienten durch eine Rettungsmannschaft des Malteser Hilfsdienstes (Die Szene ist gestellt!) - Quelle: Malteser Hilfsdienst e.V. Stuttgart

Der Rettungsdienst in Rheinland-Pfalz wird von verschiedenen Trägern gemeinsam mit den Notärzten vor Ort realisiert. Oftmals wird bei einem Notfall, je nach Verfügbarkeit jedoch nur ein Rettungswagen mit einem Rettungsassistenten, nicht aber auch gleichzeitig der Notarzt alarmiert. Dieser muss dann nachträglich angefordert werden. Doch was können die Rettungsassistenten bis zu seinem Eintreffen unternehmen?

In der Verordnung zum Rettungsdienst ist das vermeintlich klar geregelt. Die Gabe von Medikamenten und Schmerzmittel ist dabei extrem eingeschränkt und nur im Rahmen einer Notfallkompetenz eingeräumt. Verständlich, wenn man die Ausbildungszeit der Rettungsassistenten betrachtet. Unverständlich, wenn man sieht, wie ein erfahrener Rettungsassistent dem nervösen Notarzt mitteilt, welche Möglichkeiten sich ihm bieten. In meinen Augen könnte hier nachgebessert werden. Gezielte Schulungen für Rettungsassistenten und danach eine Ausweitung der Kompetenzen könnte helfen. Oder eine längere Ausbildungsphase und wiederkehrende Schulungen. An der Qualifizierung der Rettungsassistenten dürfte eine gute Versorgung jedoch nicht scheitern.

Aber selbst wenn die Liste der zu verabreichenden Medikamente klar geregelt ist; die Notfallkompetenz selbst ist eine Grauzone. Ob ein die Medikamentenvergabe rechtfertigender Notfall vorgelegen hat, muss ein Notarzt im Nachhinein feststellen. Überall dort, wo das Verhältnis zwischen Rettungsdienst und Notärzten auf einer Vertrauensbasis basiert und Rettungswache und Notärzte sich kennen und aufeinander einstellen können, können die Rettungsassistenten nach ihrem besten Wissen und Gewissen entscheiden und müssen nur selten Konsequenzen fürchten. Gerade in Regionen, in denen Notarztmangel herrscht, wird das oft aber auch zum Problem: wenn jeder Notarzt andere Maßstäbe zur Bewertung der Notfallkompetenz anlegt, dann ist die Entscheidung ein Medikament zu verabreichen für jeden Rettungsassistenten auch immer mit der Gefahr verbunden, den eigenen Job aufs Spiel zu setzen, wie in Rheinland-Pfalz das Beispiel von Dirk Rödder zeigt.
Die Rettungsassistenten befinden sich also in einer rechtlichen Grauzone, die mal heller und mal dunkler eingefärbt ist. In der Region aus der ich komme, hat das bisher zu keinen Problemen geführt – Gott sei Dank – Immer wieder treten in anderen Regionen aber Probleme auf, bei denen dann ein Gericht klären muss, ob die Vergabe des Medikaments rechtlich zulässig war, oder nicht.

Verschärft ist diese Situation seit 2008. Auf der Liste der zugelassenen Medikamente wurde in Rheinland-Pfalz das Schmerzmittel Ketamin gestrichen. In den Rettungswägen ist es jedoch nach wie vor in der Ausstattung. Über Jahre hinweg war Ketamin zugelassen und die Rettungsassistenten haben mittlerweile Erfahrung in der Anwendung. Jetzt kommen sie zu einem Unfallort und haben keine Möglichkeit einem Patienten im Zweifelsfall den Schmerz zu lindern.

Ein umfangreicher Bericht über die vielschichtige und komplizierte Situation kam kürzlich in der ARD:

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=4934722

Monitor versteht sich sicher darauf, Dinge zu übertreiben und zuzuspitzen. Aus diesem Grund stehe ich als Laie der Aussage kritisch gegenüber, alle Probleme würden darauf beruhen, dass die Ärztelobby um ihren eigenen Status fürchtet und die Aufweichung des Berufszweiges verhindern will. Sollte es wirklich stimmen: es wäre ein nicht hinnehmbarer Zustand.
Mehr geärgert hat mich in dem Beitrag allerdings die leichtfertige Aussage unseres Innenministers: Bruchs Antwort auf die Frage, ob man denn etwas ändern müsse, lautete: „Es ist nun mal so“ und auf die Frage, ob ein Rettungsassistent damit rechnen muss, seinen Job zu verlieren, wenn er Medikamente verabreicht, lautete die Antwort: „So ist es. Er muss damit rechnen.“ Einige Gerichte sehen das jedoch anders. Wieder herrscht also Unklarheit und die Situation ist grauer denn je.

Ohne Arzt oder Sachverständiger zu sein, erwarte ich von einem Rettungsdienst, dass er funktionierende und praktikable Lösungen findet, wenn es um die Erste Hilfe am Unfallort geht. Als Kommunalpolitiker erwarte ich von einem Innenminister, dass er sich Problemen annimmt und diese nicht lapidar abtut und hinnimmt. Sich auf ein wackeliges und für mich nicht nachvollziehbares Gesetz zu berufen, dass seit Jahren reformbedürftig ist, finde ich wenig befriedigend.

Mir stellt sich nun noch immer die Frage: Ist also alles OK oder besteht Handlungsbedarf im Rettungsdienst?

Der Standpunkt wurde am 9.8.2010 angeregt durch die Monitor-Berichterstattung auf dem BLACK.blog der Jungen Union Rheinland-Pfalz veröffentlicht. Kommentare zum Standpunkt sind dort möglich.


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