In die Diskussion um eine neue EU-Berufsanerkennungsrichtlinie ist aktuell etwas Ruhe eingekehrt, die Thematik wird dadurch nicht weniger brisant. Noch vor einigen Monaten wurde diskutiert, welcher Schulabschluss als Mindestvoraussetzung für Pflegeberufe gelten soll. Die EU-Kommission brachte dabei auch ins Spiel, einen mit dem Abitur vergleichbaren Abschluss als Zugangsvoraussetzung vorzuschreiben. Natalie Fischer, Mitglied in der JU Rheinzabern, äußert ihre Sicht der Dinge in unserer Rubrik „Standpunkte“:

Meiner Meinung nach kann man nicht am Schulabschluss festmachen, ob jemand für einen Pflegeberuf geeignet ist oder nicht. Denn gerade bei dieser Berufsgruppe sind das Sozialverhalten und die Motivation sehr wichtig. Wenn jemand freundlich und zuvorkommend ist, fühlt sich der Patient wohl, unabhängig davon, ob diese Person Abitur hat oder nicht.

Es ist daher besser, wenn eine Person mit „niedrigerem“ Schulabschluss Engagement und Menschlichkeit zeigt als, wenn ein Abiturient sich unmotiviert um Patienten kümmert. Außerdem muss derjenige, der in solchem Beruf arbeiten will auch wissen, dass er mit vielem konfrontiert wird und er emotional belastbar sein muss. Dies kann auch nicht auf dem Weg zum Abitur antrainiert werden, sondern ist Veranlagung.

Obwohl die Menschen in Pflegeberufen Verantwortung tragen müssen, sind sie nach wie vor jemandem unterstellt und führen dessen Anweisungen aus, weshalb ich keinen Sinn dabei erkenne, warum der Schulabschluss hochgesetzt werden soll. Die meisten Abiturienten, die momentan in Pflegeberufen arbeiten, tun dies nur, um die Wartezeit aufs Studium sinnvoll zu überbrücken. Wenn nun Abitur eine Zulassungsvorrausetzung wird, müsste sich auch viel an den Bedingungen für die Ausübung eines solchen Berufes ändern. Zum Beispiel müsste die Bezahlung dem Tätigkeitsumfang angepasst werden. Denn die Personen, die dieser Berufsgruppe angehören sind im Vergleich zu jemandem der in der Industrie arbeitet, unterbezahlt.

Oft müssen schwere körperliche Arbeiten ausgeführt werden und das Arbeiten zu Zeiten, wo andere Menschen regelmäßig frei haben, gehört zu einem Pflegeberuf dazu. Außerdem muss auch geachtet werden, dass dieser Beruf sich um Menschen dreht, die Hilfe benötigen und der Pflegende somit eine hohe Verantwortung trägt. Wenn sich an den Arbeitsbedingungen nichts ändert, sehe ich bei der Durchsetzung des Abiturs als Zulassungsvorrausetzung für die Ausübung eines Pflegeberufs als Folge einen Personalmangel.

Abschließend lässt sich sagen, dass es Dinge gibt, z.B. die Persönlichkeit des Einzelnen, die wichtiger und für die Pflegeberufe bedeutender sind als der Schulabschluss.

Natalie Fischer, Rheinzabern


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