Bundesarchiv Bild 146-1987-038-29, Waffenstillstand von Compiègne, Franzosen CC-BY-SA-3.0-de

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„Jetzt verlöschen die Lichter in ganz Europa. Wir werden sie nie wieder in unserem Leben brennen sehen.“ (Großbritanniens Außenminister Edward Grey am Abend des 4. August 1914, als sein Land Deutschland den Krieg erklärte)

Ziemlich genau 100 Jahre ist es her, dass die europäischen Großmächte den Ersten Weltkrieg auslösten. Ein Krieg, der häufig in Vergessenheit gerät, über den in der Regel kaum berichtet wird und der im Geschichtsbewusstsein vieler Deutscher hinter dem Zweiten Weltkrieg fast komplett verschwindet. Lediglich das 100 jährige Jubiläum dieser Katastrophe sorgt für eine momentane Präsenz dieses Themas.

Der Krieg brach aufgrund vieler Faktoren aus und wurde von der zeitgenössischen politischen Elite schon seit einigen Jahren prophezeit. Die endgültige Zuspitzung des Konflikts zwischen den europäischen Mächten ereignete sich dann aber innerhalb einiger weniger Wochen. Gavrilo Princip, ein bosnischer Serbe, erschoss am 28. Juni in Sarajevo, den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand. Die Monarchie Österreich-Ungarn erwog daraufhin eine Strafaktion gegen Serbien, dessen militärischer Geheimdienst den Attentäter unterstützt haben soll. Um den Verbündeten Serbiens, das russische Zarenreich, von einer Intervention abzuhalten, bat Österreichs Kaiser Franz Joseph am 5. Juli den deutschen Kaiser Wilhelm II. um Unterstützung. Nachdem am 28. Juli ein zuvor gestelltes Ultimatum ablief, erklärte die Donaumonarchie Serbien den Krieg. Zwei Tage später ordnete Zar Nikolai II. die russische Generalmobilmachung an. Nachdem auch deutsche Ultimaten an Russland und Frankreich erfolglos verstrichen waren, ordnete Frankreich, als Antwort auf besagtes Ultimatum, ebenfalls die Mobilmachung der Truppen an. Am 1. August erklärt das deutsche Kaiserreich Russland den Krieg, zwei Tage später Frankreich. Die deutsche Kriegstaktik sah vor, Frankreich über das neutrale Belgien anzugreifen (Schlieffenplan), woraufhin Großbritannien dem Kaiserreich den Krieg erklärte.

Die Julikrise, welche vom 28. Juni bis zum 4. August dauerte, führte zu einer der größten Katastrophen der Menschheitsgeschichte, dem Ersten Weltkrieg. Innerhalb kürzester Zeit stürzten sich die europäischen Großmächte in einen Krieg, der ganze Landstriche in Niemandsland verwandelte – die Verwüstungen sind noch heute zu sehen. Große Reiche wie das deutsche Kaiserreich, die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich oder das russische Zarenreich zerfielen oder erlitten große Gebietsverluste. Im Ersten Weltkrieg fielen fast zehn Millionen Soldaten, vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer, von Ypern in Belgien bis Belfort nahe der Schweiz und sogar auf über 3600 Metern auf dem Punta San Matteo in den Alpen. Unzählige Soldaten kehrten verkrüppelt oder als psychische Wracks in die Heimat zurück manchmal stellten sie fest, dass ihre Familie die Zeit ihrer Abwesenheit nicht überlebt hat. Im Ersten Weltkrieg, im angelsächsischen Bereich meist „The Great War“ genannt, kamen sieben Millionen Zivilisten ums Leben.

Als der Krieg zu Ende war, war es das Ziel der Sieger eine dauerhafte Friedensordnung zu schaffen. Verschiedene Umstände, aber zu einem großen Teil der Versailler Vertrag, den Deutschland als Verlierer unterzeichnen musste, führte jedoch eher zum Gegenteil. Nur 21 Jahre später, am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg, der noch größere Verwüstung und Schrecken über die Menschheit brachte.

Der Standpunkt wurde geschrieben von Gregory Meyer. Er ist Mitglied der Jungen Union im Gemeindeverband Rülzheim und als Beisitzer im JU Kreisverband aktiv.

Der Standpunkt wurde geschrieben von Gregory Meyer. Er ist Mitglied der Jungen Union im Gemeindeverband Rülzheim und als Beisitzer im JU Kreisverband aktiv.

Heute wäre ein Krieg zwischen den europäischen Nachbarstaaten undenkbar. Einen großen Anteil hat dabei die Europäische Union. Sie fördert den Austausch und die Verständigung der Völker, löst Probleme gemeinsam, statt in Konflikte zu münden. Nicht umsonst erhielt die EU 2012 den Friedensnobelpreis. Die großartigen Möglichkeiten, die uns diese Institution bietet, mag gerade für jüngere Menschen als selbstverständlich erachtet werden. Das Verhältnis zur EU ist bei vielen Menschen von Ressentiments, unverhohlener Abneigung oder wenigstens Desinteresse geprägt. Gerade mit Blick auf die Vergangenheit, sollten wir diese unglaublichen Möglichkeiten und Freiheiten zu schätzen wissen.


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