51,9% der Briten haben am 23. Juni für den „Brexit“ gestimmt, ein Datum dessen Platz in den Geschichtsbüchern heute schon sicher ist. Denn es ist das erste mal seit 1945 dass der europäische Integrationsprozess stagniert, beziehungsweise widerrufen wird. Seit der Gründung der Montanunion rückte Europa immer enger zueinander, erst durch die Gründung der EWG, EG und EWV bis zu den Verträgen von Maastricht und Lissabon. Dass diese Entwicklung irgendwann wieder rückschrittig sein könnte schien allen ausgeschlossen, hat uns die europäische Gemeinschaft doch zahllose Errungenschaften gebracht die bis dahin undenkbar waren.

Der Traum eines Gustav Stressmann oder Winston Churchill von einem einigen Europa ohne Zölle und Schlagbäume wurde schlussendlich Realität: Was vor 70 Jahren noch unmöglich schien ist inzwischen für viele eine Selbstverständlichkeit. Deshalb ist es umso erschreckender dass Großbritannien die Uhren an diesem 23. Juni um 70 Jahre zurückgestellt hat.

© CDU / Yvonne Herrmann

© CDU / Yvonne Herrmann

Mit populistischen Parolen und teilweise falschen Inhalten weckten die Anhänger des Brexit die Erinnerung der Briten an ihr „Empire“, als Großbritannien noch als Seemacht die Meere beherrschte und Welt regierte. Eine Erinnerung in der Briten nur allzu gerne versinken in einer Zeit der Globalisierung, in der alles schneller zu werden scheint und täglich mehr Probleme auftauchen als gelöst werden. Letztendlich  wird der Zauber eines Nigel Farage und eines Boris Johnson verfliegen wenn sich ihre Versprechen in Luft auflösen. Haben sie doch den Briten Glauben gemacht ein uneingeschränkter Zugang zum Binnenmarkt wäre auch abgekoppelt von jeglichen Verpflichtungen möglich.

Die Konsequenzen für Großbritannien deuten sich schon am Tag der Bekanntgabe des Ergebnisses an: Die Schotten haben ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum in Aussicht gestellt, das Pfund fiel auf den Stand der 90er-Jahre als George Soros die Bank of England „sprengte“ und Premierminister David Cameron kündigte schon am Morgen seinen Rücktritt an.

Großbritannien hat als erstes Land eine Entwicklung zum Abschluss gebracht die zurzeit in fast ganz Europa um sich greift: Die europäische Gemeinschaft wird zum Feindbild erklärt und die Rückkehr zu einer Ordnung der Nationalstaaten und Grenzen gefordert.

Noch vor 27 Jahren starben Menschen in Deutschland und Europa beim Versuch eine Grenze zu Überqueren um in eine freiere Welt ohne Grenzen zu kommen. Umso geschichtsvergessener wirkt es nun wieder Grenzen zu ziehen und Freiheiten zu begrenzen.

Doch das Votum der Briten einfach zu ignorieren und die europäische Integration unbehelligt nach bisherigem Muster weiter voranzutreiben wäre ein Fehler der die europäische Gemeinschaft wohl langfristig zum Einsturz bringen würde.

Wir brauchen keine EU der Bürokratie wie bisher, wir brauchen eine supranationale Gemeinschaft Die die Aufgaben übernimmt welche eine Nation alleine nicht tragen kann. Wir brauchen auch keine EU die mit tausenden von Seiten die Importregelungen für Bananen festlegt oder sich auf Subventionen konzentriert, wir brauchen eine effiziente Gemeinschaft die sich um die großen Probleme wie die Flüchtlingskrise kümmert.

Doch bei allem was oberhalb des Beamtenapparats in Brüssel geschieht scheint sich in letzter Zeit Stagnation einzupendeln, da immer weniger Staaten zu Kompromissen bereit sind und auf ihre Souveränitätsrechte bestehen.

Vielleicht könnte der „Brexit“ der Stein des Anstoßes sein, der eine Reform in der EU in die Gänge leitet und fortan das Subsidiaritätsprinzip wieder mehr geachtet wird und sich Brüssel um die großen Themen kümmert.

Die europäische Idee ist zu groß und zu wichtig um sie als Folge dieses 23. Juni untergehen zu lassen, deshalb muss aber auch die Europäische Union zeigen dass sie die Botschaft verstanden hat und in zahlreichen Punkten einlenken.

Schlussendlich ist dem 23. Juni eine Seite in zukünftigen Geschichtsbüchern fest reserviert, der Inhalt muss allerdings noch geschrieben werden.

 

Der Standpunkt wurde geschrieben von Christopher Hauß, Mitglied der Jungen Union im Gemeindeverband Lingenfeld.

Der Standpunkt wurde geschrieben von Christopher Hauß, Mitglied der Jungen Union im Gemeindeverband Lingenfeld.


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