Noch kein Vorbild bei der Digitalisierung der Lehre

Durch die Corona-Krise kam es bundesweit zu Schulschließungen. Mit dem daraus resultierenden Homeschooling wurden wir alle ins kalte Wasser geworfen. Von jetzt auf nachher musste der Unterricht komplett umgestellt werden und die bisher bekannte Kommunikation zwischen Lehrkräften und Lernenden auf einer digitalen Ebene stattfinden. Mängel, die vorher schon bekannt waren, kamen durch die Pandemie noch deutlicher zum Vorschein. Deutschland ist noch weit davon entfernt, in Sachen Digitalisierung im Bildungswesen ein Vorbild zu sein.

Um genau diese Digitalisierung in Deutschland voranzubringen, stellte der Bund rund sieben Milliarden Euro zur Verfügung, davon wurden bis Dezember 2020 nur knapp 488 Millionen Euro tatsächlich abgerufen. Im Vergleich zum Juni 2020, bei dem es erst 16 Millionen Euro waren, ist es natürlich prozentual gesehen ein enormer Anstieg, aber in Zeiten von Corona, in denen Homeschooling mehr oder weniger die einzige Chance auf Weiterbildung ist, definitiv viel zu wenig. Der bürokratische Aufwand darf nicht Grund für einen mangelnden Abruf sein. Die einzelnen Landkreise sollten die Möglichkeit bekommen, solche Gelder selbstständig zu koordinieren, damit diese schneller an die Schulen fließen können.

Deutschland ist noch weit davon entfernt, in Sachen Digitalisierung im Bildungswesen ein Vorbild zu sein.

Technik alleine bringt eine Schule jedoch auch nicht weiter. Es muss Menschen geben, die diese Technik einrichten und auch Menschen, sprich Lehrpersonal, die diese Technik entsprechend einsetzen und nutzen können. Aus diesem Grund sollten Lehrkräfte ausreichende Angebote für Fortbildungen bekommen, damit sie sich eine Medienkompetenz aneignen und auch den Schülern vermitteln können. Dies muss künftig ein Kerninhalt innerhalb eines Lehramtsstudium sein!

Auch haben nicht alle Kinder die gleichen technischen und finanziellen Voraussetzungen. Dies sollte für sie keinen Nachteil darstellen, denn Bildung muss für alle zugänglich sein.

Um die Kosten im Rahmen zu halten und somit den Aufwand eines jeden Einzelnen so gering wie möglich zu halten, sollten die Schulen untereinander mehr zusammenarbeiten.

Unterrichtsmaterialen, Lernplattformen, Lernvideos könnten gemeinsam entwickelt oder untereinander ausgetauscht werden.
Foto: Christiane Lang ©

Unterrichtsmaterialen, Lernplattformen, Lernvideos könnten gemeinsam entwickelt oder untereinander ausgetauscht werden. Dadurch könnte das Angebot für alle vergrößert und den Lernenden das bestmögliche Lernmaterial geboten werden. Dies bietet auch die Möglichkeit, gezielter auf Kinder einzugehen, die mehr Unterstützung von der Lehrkraft benötigen und Kindern, die mit Lernvideos gut zurechtkommen, ein selbstständiges Arbeiten zu ermöglichen.

Außerdem sollte überlegt werden, ob es für die Zukunft nicht eine Option wäre, ab der 7. Klasse einen Homeschooling-Tag pro Woche anzubieten. Die Schülerinnen und Schüler haben sich durch digitale Lernmethoden Kompetenzen angeeignet, welche sie vorher nicht in so einem Ausmaß erlernt hätten, so zum Beispiel eigenständiges Arbeiten. Außerdem kann das digitale Lernen an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler angepasst werden. Kindern mit Förderbedarf kann durch digitale Lerninhalte ein zusätzliches Angebot ermöglicht werden.

Ein gesunder Mix zwischen digitalen und analogen Unterricht kann in vielerlei Hinsicht sehr zielführend sein. Neben Tablets und Laptops sollten in Zukunft auch weiterhin Bücher eine Rolle für den Unterricht spielen. 

Damit diese Sachen auch umsetzbar sind, muss in Deutschland die digitale Infrastruktur stimmen. Ein erfolgreiches digitales Lernen, sollte nämlich nicht von der Internetverbindung der Schule oder dem Wohnort abhängig sein.


Der Standpunkt wurde geschrieben von Nico Epple und Vivien Scherthan. Nico ist Mitglied der Jungen Union im Gemeindeverband Lingenfeld.
Der Standpunkt wurde geschrieben von Vivien Scherthan und Nico Epple. Vivien ist Mitglied der Jungen Union. im Gemeindeverband Jockgrim


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