Vom 7. bis 18. November fand in Marrakesch (Marokko) die 22. Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt. Worum es dabei geht, was dort überhaupt gemacht wird und warum diese Konferenz so wichtig ist, haben wir unseren Bundestagsabgeordneten Dr. Thomas Gebhart gefragt. Als Mitglied der deutschen Delegation nahm er an der Klimakonferenz teil und hier aus erster Hand über die Ereignisse.

© Christiane Lang

© Christiane Lang

Thomas, du warst letzte Woche auf der Klimakonferenz in Marrakesch. Warum hat man dich dort hingeschickt und was wurde dort überhaupt gemacht?

Thomas Gebhart: Ich bin für die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag Koberichterstatter für Klimaschutz. Das heißt, dass ich zusammen mit meiner Kollegin Anja Weisgerber Ansprechpartner für alle Gesetzesvorhaben rund um die Klimaschutzpolitik bin. In Marrakesch ging es vor allem um die konkrete Umsetzung des Klimavertrages von Paris, den wir auf der Klimakonferenz im letzten Jahr beschlossen haben. Ziel dieses Abkommens ist es, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Während das Paris-Abkommen die großen Linien für den zukünftigen Klimaschutz vorgab, ging es in Marrakesch darum, viele technische Details zur Umsetzung zu verhandeln.

Der Klimavertrag wurde also letztes Jahr beschlossen und trat jetzt in Kraft. Was ist denn in der Zwischenzeit geschehen und warum dauerte es ein ganzes Jahr, bis man an der Umsetzung arbeiten konnte?

Zuerst einmal müssen alle Staaten dem Klimavertrag zustimmen. Das kann schon mal ein paar Monate dauern, aber bereits 110 Staaten haben den Vertrag ratifiziert. Noch nie ist eine globale Klimavereinbarung so schnell in Kraft getreten. Selbst die größten CO²-Emittenten wie die USA, China und Indien sind dem Paris-Abkommen beigetreten.

Wenn man die Nachrichten verfolgt, kann man durchaus den Eindruck erhalten, dass der Schutz unseres Klimas in anderen Ländern keine hohe Bedeutung hat. Gerade ärmere Länder haben doch mit Sicherheit eher ihren wirtschaftlichen Aufschwung im Sinn.

In Marrakesch war zu spüren, dass das Thema Klimaschutz weltweit an Fahrt gewonnen hat. In vielen Ländern steht das Thema inzwischen oben auf der Agenda. Die Absicht des zukünftigen US-Präsidenten, den Klimaschutz zurückzudrehen, war auf der Klimakonferenz selbstverständlich ein großes Thema. Erfreulicherweise hat die Ankündigung Trumps, aus dem Klimavertrag auszusteigen, keine Nachahmer gefunden. Entwicklungs- und Schwellenländer bringen natürlich ganz andere Voraussetzungen zum Klimaschutz mit.

Geplant ist, jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutzmaßnahmen bereitzustellen, vor allem für Entwicklungs- und Schwellenländer. Außerdem gibt es ein Partnerschaftsprogramm des Umweltministeriums und des Entwicklungshilfeministeriums zusammen mit anderen Industriestaaten, das ich sehr begrüße. Dieses Programm soll arme Länder beim Klimaschutz unterstützen, zum Beispiel eine Energieversorgung mit Hilfe von erneuerbaren Energien aufzubauen. Somit kann aktiver Klimaschutz auch Perspektiven für zahlreiche Menschen, beispielsweise in Afrika, eröffnen. Hier greifen Klimaschutz und Flüchtlingsproblematik ganz konkret ineinander.

Thomas Gebhart war Teil der Delegation auf der UN-Klimakonferenz

Thomas Gebhart war Teil der Delegation auf der UN-Klimakonferenz

Abschließend noch eine Frage mit Blick auf die Zukunft. Wie wahrscheinlich ist es, dass die Menschheit den Klimaschutz erfolgreich gestaltet?

Mir ist klar: Die Lösung dieser Probleme wird nicht leicht. Dennoch ist seit dem Paris-Abkommen eine spürbare Dynamik beim Klimaschutz zu beobachten. Ich hoffe, dass wir diesen Schwung nutzen können, um bei der Umsetzung der Maßnahmen ebenfalls Ergebnisse vorzeigen zu können.


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